< Bild des Monats Juni
08.07.2019 16:00 Alter: 48 days
Kategorie: EBR
Von: Josef Schneider

Ellwangen feiert und genießt fair

Unter dem Motto „Fair genießen – Essen und Mode“ ist während des Wochenmarkts auf dem Ellwanger Marktplatz gefeiert worden. Der Grund: Vor einem Jahr ist die Stadt als Fairtrade Town ausgezeichnet worden.


Eine Modenschau des Weltladens ist im Mittelpunkt des Festes gestanden, mit dem die Stadt die Ernennung zur Fairtrade Town vor einem Jahr gefeiert hat. Das Motto der Veranstaltung war „Fair genießen – Essen und Mode“. (Foto: Josef Schneider)

„Greifen Sie zu und schmecken Sie das Aroma der Gerechtigkeit“, wurde Werbung für fair gehandelte Bananen aus dem Weltladen gemacht. Das Tagungshaus Schönenberg unter Leitung von Bernd Philippi servierte mit dem indischen Linsengericht Dal einen leckeren, fairen Imbiss. Aus dem Weltladen gab es herzhafte und süße Aufstriche, daneben Käsesorten vom Rattstadter Käsehof, verschiedene Biobrotsorten, süßes Gebäck und Obst. Für Frühstück und Mittagessen war also gesorgt.

Eugen-Bolz-Realschule ist Fairtrade School

Mit Informationsständen waren die Eine-Welt-AG der Mädchenschule Sankt Gertrudis und die Eugen-Bolz-Realschule vertreten. Schülerinnen und Schüler dieser beiden Schulen wirkten auch als Helfer beim Fest mit. Die Eugen-Bolz-Realschule ist in diesem Jahr als Fairtrade School ausgezeichnet, als erste Schule in Ellwangen. Dort gibt es ein Fairtrade-Schulteam, das faire Produkte im Schulcafé verkauft und das Thema fairer Handel in den Unterricht bringt. Schulsozialarbeiterin Nadine Haag leitet die Fairtrade-AG. Leonora Kosel (Klasse 9b) hat die fairen Schul-T-Shirts mit designt.

Höhepunkt war die Modenschau mit fairer Sommermode aus dem Weltladen. Orange, blau oder schwarz, dazu grafische Muster: Die Blusen, Kleider und Röcke sind schick und tragbar und bringen die genau richtig dosierte Menge afrikanisches und südamerikanisches Flair in die Stadt. Zu sehen war unter anderem Baumwollkleidung von den Global Mamas aus Ghana, Kleidung aus Peru sowie Accessoires aus Peru und Bolivien, dazu Schmuck, Taschen und Rucksäcke. Die Frauen können von ihrer Arbeit leben und verwenden, anders als die Männer in ihren Heimatländern, einen größeren Teil ihrer Einnahmen in die Bildung ihrer Kinder, erläuterte Christine Ostermayer, die die Schau moderierte. Die rund 15 Models, die über den roten Teppich flanierten, sind alle Mitarbeiterinnen und Kundinnen des Weltladens. Mit von der Partie waren auch die Ellwanger Modeexpertin Inge Rieger und Tonis Ladencafé.

„Es tut sich was in der Guten Stadt“, freute sich Josef Baumann, der einst in der AG Dritte Welt im Jugendzentrum aktiv war, darüber, dass jetzt der „faire Handel in Ellwangen solche Blüten trägt“. Mit dem Weltladen des Aktionsbündnisses Treffpunkt Nord-Süd habe man vor über 30 Jahren, 1986, im Keller der Comboni-Missionare angefangen.

Bürgermeister Volker Grab dankte allen Beteiligten. Ihm war wichtig, das Thema Fairtrade bekannt zu machen, um auf diese Weise die Länder in Afrika, Südamerika und Asien zu unterstützen. Der Bürgermeister dankte vor allem den Schülerinnen und Schülern: „Ihr seid die Zukunft der Stadt und mitverantwortlich, wie wir in Ellwangen leben.“ Es sei wichtig, so Grab, dass man sich das Label Fairtrade Town jedes Jahr neu verdiene.

Die Anregung für die Bewerbung als Fairtrade Town kam damals aus der Bevölkerung. Der Gemeinderat beschloss 2017 einstimmig, sich zu bewerben. Die Stadt schenkt bei Besprechungen fairen Kaffee und fairen Orangensaft aus. Außerdem gibt es die Dienstanweisung „ökologische Beschaffung“ und einen Ratsbeschluss gegen ausbeuterische Kinderarbeit. „Es geht darum, das Bewusstsein für den fairen Handel zu schärfen“, betont Silvia Tuscher von der Steuerungsgruppe und freut sich, dass neben Stadtverwaltung, Gemeinderat, Bürgern auch Institutionen, Gastronomen und Händler, die fair Produkte anbieten, mit im Boot sind.

Tuscher kann sich nach der guten Akzeptanz am Samstag gut vorstellen, dass es künftig jährlich auf dem Marktplatz ein Fest unter dem Motto „Fair genießen“ gibt.

Schwäbische.de 07.07.2019