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30.01.2018 17:00 Alter: 239 days
Kategorie: Projekte
Von: Josef Schneider

„Ein Arbeitsort für Demokratieverständnis“

Einweihung des neuen Eugen-Bolz-Raums – Dominik Burkard würdigt den Widerstandskämpfer Eugen Bolz


„Ein Arbeitsort für Demokratieverständnis“ (Foto: afi)

Ellwangen sz Unter überaus großer Beteiligung der Öffentlichkeit ist am Sonntagnachmittag der neu eingerichtete Eugen-Bolz-Raum an der Eugen-Bolz-Realschule (EBR) feierlich eröffnet worden. Im Mittelpunkt des zweistündigen Programms stand der Vortrag des Würzburger Professors Dominik Burkard zum Thema „Eugen Bolz –Widerstand aus christlicher Überzeugung“. Gleichzeitig wurde Moritz von Woellwarths Komposition „Plötzensee“ uraufgeführt, die zum Leben und Wirken des Widerstandskämpfers Eugen Bolz (1881 – 1945) geschaffen wurde.

Der kommissarische Schulleiter der EBR, Martin Burr, hieß eine stattliche Anzahl von Ehrengästen willkommen, darunter alle vier Enkel von Eugen Bolz sowie weitere Verwandte. „Ja, unsere Schule trägt einen großen Namen“, betonte Burr und wies darauf hin, wie wichtig es sei, jungen Leuten politisches Bewusstsein, demokratische Werte, Zivilcourage und Orientierung zu vermitteln. Denn Demokratie sei „kein Selbstläufer“. Der Eugen-Bolz-Raum solle kein Museum, sondern „Arbeitsort für Demokratieverständnis“ sein.

Oberbürgermeister Karl Hilsenbek würdigte Bolz' vorbildliches Eintreten für Glauben, Recht und Demokratie und die unbeugsame Haltung dieses integeren württembergischen Staatsmannes. Der OB warnte vor der Gefahr, die hohen Güter von Frieden, Freiheit und Demokratie als etwas Selbstverständliches anzusehen. Gleichzeitig erinnerte er an seine Schulzeit an der EBR, einem Lernort für Demokratie, und lobte dabei den Namensgeber, der an der Schule gelebt werde.

Ein gläubiger Katholik und aufrichtiger Staatsmann

Landtagsabgeordneter Winfried Mack (CDU) appellierte an Demokratie, Rechtsstaat, Menschenrechte und Würde des Menschen und geißelte die im Kern radikale AfD in den Parlamenten, die von „Altparteien, Kuscheljustiz und Lügenpresse“ spreche und Hand an die Erinnerungskultur lege.

Dominik Burkard, Professor für Kirchengeschichte des Mittelalters und der Neuzeit an der Universität Würzburg, schilderte Eugen Bolz als gläubigen Katholiken, Vertreter des politischen Katholizismus, Justiz- und Innenminister und Staatspräsidenten von Württemberg (bis 1933), der gegen Linke und Rechte vorgegangen sei, sowie als Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944. Dabei blickte Burkard auch auf die nationalsozialistische Zeit in Ellwangen, wo die Katholiken als Unruhestifter verunglimpft worden seien.

Eugen Bolz sei schon früh von der Gefährlichkeit des Nationalsozialismus überzeugt gewesen, der Sieg der Nationalsozialisten würde Diktatur bedeuten, wusste Bolz. „Er gehörte bereits lange vor 1933 zu den Warnern und entschiedenen Gegnern vom Nationalsozialismus“, sagte Burkard. Bolz habe ein Gespür für das sich abzeichnende Unrecht entwickelt. Schon im Frühjahr 1934 nahm Bolz ein Notwehrrecht des Volkes bei offensichtlichem und dauerndem Missbrauch der Staatsgewalt an.

Ihren Stolz, Schüler der EBR zu sein, drückten Schüler der Eugen-Bolz-AG aus. Ihnen sei wichtig, Bolz' Andenken in der Schulgemeinschaft wachzuhalten: „Er ist für uns Schüler ein Vorbild.“ Zivilcourage sei ein wertvolles Gut und eine Eigenschaft, die gelebt werden müsse. Eugen Rupf-Bolz, ein Enkel von Eugen Bolz, ging auf das „Herrenzimmer“ seines Großvaters und dessen Ausstattung ein. Darunter war auch eine Madonna, die der Ellwanger Künstler Hans Retzbach geschaffen hat. In diesem Herrenzimmer habe Bolz seine Gäste empfangen, darunter den Widerstandskämpfer Carl-Friedrich Goerdeler.

Moritz von Woellwarths „Plötzensee“ wird uraufgeführt

Die in fünf Teilen gegliederte Komposition „Plötzensee“ von Moritz von Woellwarth, dem Leiter der Johann-Melchior-Dreyer-Musikschule Ellwangen, wurde im Rahmen der Veranstaltung uraufgeführt. Ausgehend von einem Frühlingslied von Franz Schubert, das in einem Notenbüchlein in Eugen Bolz' Arbeitszimmer mit Bleistift bearbeitet war, startet das Stück hoffnungsvoll, genauso wie Bolz' Karriere als Politiker und Staatsmann. Die Machtergreifung der Nationalsozialisten und die Gleichschaltung von Kultur, Politik und öffentlichem Leben machte von Woellwarth durch die Abstraktion dieser heiteren Melodie hörbar. Während die Zerstörung der kulturellen Vielfalt und andersdenkender Menschen durch den monotonen und dramatischen Einsatz der Profil-Klasse Musik der EBR unterstrichen wurde.

Ein hoffnungsvolles Jazzthema und die Improvisation der Musiker stellten die Planung einer neuen Regierung nach Hitler-Deutschland heraus. Der Schlusschoral markiert das Ende des gescheiterten Widerstandes, zu welchem sich Bolz bis zu seiner Hinrichtung am 23. Januar 1945 durch das Fallbeil in Berlin-Plötzensee bekannte. Die Ausführenden der Komposition waren Moritz von Woellwarth (Posaune), Ralf Reichert (Trompete), Daniel Roncari (Altsax), Reinhold Uhl (Tenorsax), Heiko von Roth (Tenorsax, Bassklarinette) sowie die Profil-Klasse Musik der EBR unter Iris Baur. Die Komposition „Plötzensee“ mit den Teilen Aufbruch, Gleichschaltung, Zerstörung, Hoffnung und Widerstand verglich von Woellwarth mit einem Requiem.

 

Anmerkung der Eugen-Bolz-Realschule:

Einen Fernsehbeitrag von SWR-Aktuell zur Eröffnung des Eugen-Bolze-Raumes finden Sie unter folgendem Link auf die ARD-Mediathek:

http://www.ardmediathek.de/tv/SWR-Aktuell-Baden-W%C3%BCrttemberg/Ein-Gegner-des-Nationalsozialismus/SWR-Baden-W%C3%BCrttemberg/Video?bcastId=254078&documentId=49581588