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21.11.2017 17:00 Alter: 22 days
Kategorie: EBR
Von: sz

Eine Schulart hat sich modernisiert

In der Eugen-Bolz-Realschule gibt es eine Orientierungsstufe und Unterricht auf verschiedenen Niveaus


Konrektor Martin Burr ist seit dem Weggang von Gerd Bäuerle kommissarischer Schulleiter an der Eugen-Bolz-Realschule. Die verzeichnet wieder steigende Schülerzahlen. Auch in der Realschule werden die Kinder auf unterschiedlichen Niveaus unterrichtet. A (Foto: gr)

Die Eugen-Bolz-Realschule hat es schwer gehabt in den vergangenen Jahren. Die Einführung der Gemeinschaftsschulen und die Abschaffung der verbindlichen Grundschulempfehlung haben der Schule teils empfindliche Einbußen bei den Schülerzahlen beschert. Sie lagen schon bei um die 40. Nun sind sie wieder auf 61 gestiegen.

Was das Auf und Ab der Anmeldezahlen verursacht, ist schwer zu sagen. Es gibt starke und schwache Jahrgänge. Vielleicht hat der positive Trend etwas mit der neuen Realschulordnung zu tun. Die gilt seit zwei Jahren, sagt Martin Burr, Konrektor und kommissarischer Schulleiter, seit Gerd Bäuerle im Juli an eine Realschule in seiner Heimatstadt Heidenheim gewechselt hat. Vielleicht liegt es auch an der neuen Schulbibliothek, die vor allem die Jungen ans Buch bringen soll, oder am Schulgarten mit Hühnern, für deren Stall die IT’ler der Klasse 10 ein Programm schreiben, das die Stalltüren vollautomatisch öffnet und schließt. Vermutlich ist es alles zusammen.

Durch die neue Realschulordnung hat sich im Schulalltag einiges geändert. Damit hat sich die Schulart modernisiert, sagt Barbara Drasch, Mitglied im Schulsteuerungsteam. Seither sind die Klassen 5 und 6 die Orientierungsstufe, in der alle Kinder auf Realschulniveau unterrichtet werden, aber nicht sitzenbleiben können.

 

Französisch erleichtert den Wechsel aufs Gymnasium

Am Ende von Klasse 6 werden die Mädchen und Jungen aufgrund ihrer Leistungen in verschiedene Niveaus eingestuft: in M für Realschule, G für Hauptschule. Ab Klasse 6 können die Kinder auch Französisch als Fremdsprache wählen. Das erleichtert ihnen nach dem Abschluss den Wechsel ans allgemeinbildende oder berufliche Gymnasium. Etwa 20 Prozent der Jugendlichen mit mittlerer Reife wechseln auf Gymnasium, sagt Drasch: „Wir sind die Hauptlieferanten für die beruflichen Gymnasien.“

Egal auf welchem Niveau sie lernen, es wird niemand ausgesondert, die Kinder bleiben gemeinsam in einer Klasse. Aber anders als in der Gemeinschaftsschule, wo jedes Kind in jedem Fach auf verschiedenen Niveaus lernen kann, gilt an der Realschule ganz oder gar nicht. Wer M-Niveau hat, hat es in allen Fächern. Das Gleiche gilt für G. Aber die Kinder können zu jedem Halbjahr wechseln, wenn der Notendurchschnitt stimmt. Das macht das System durchlässig.

Mit dem neuen Schuljahr sind die ersten Kinder aus der Orientierungsstufe in die Klasse 7 gewechselt. Bis auf eines haben alle M-Niveau erreicht, sagt Drasch. Um das zu schaffen, hat die Realschule ein Coaching-Konzept aufgelegt. Die Grundlage ist die Lernförderdiagnose. Anfang der 5. Klasse schreiben die Kinder eine sogenannte Diagnose-Arbeit in Deutsch und Mathe. Die Aufgaben kommen vom Kultusministerium. Die Ergebnisse werden für jedes Kind auf einem individuellen Bogen erfasst und analysiert.

Drasch nennt als Beispiel ein Kind, das vielleicht langsam arbeitet, aber dafür sehr genau. Ziel des Coachings wäre dann, das Kind mit Konzentrationsübungen auf Zeit zu fördern. Ein anderes liest vielleicht noch nicht so gut. Es bekommt dann die Aufgabe, in den Ferien jeden Tag 15 Minuten laut zu lesen.

Das ist nicht alles. In Mathe, Deutsch und Englisch wird etwa die Hälfte der Stunden so gelegt, dass alle Parallelklassen das gleiche Fach haben. Zu den Lehrerinnen oder Lehrern in den Klassen kommt dann eine weitere Lehrkraft, um eine individuellere Betreuung zu ermöglichen. Dafür bekommt die Schule zusätzliche Lehrerstunden.

Im Gegensatz zur Gemeinschaftsschule hat die Realschule keine feste Ganztagesbetreuung. Aber die Eugen-Bolz-Realschule ist dabei, den offenen Ganztag vorzubereiten, sagt Burr. Dazu gehört das Bigband-Projekt gemeinsam mit der Musikschule. „Wir werden nie eine feste Ganztagesstruktur haben“, sagt Burr. Aber die Eltern sollen sich künftig darauf verlassen können, dass ihr Kind versorgt ist. Das werde eine der Hauptaufgaben für die Zukunft.

Die Wertschätzung für die Realschule sei wieder gestiegen, sind Drasch und Burr überzeugt. Die Schülerzahlen zeigen’s.