Die Broschüre über den ehemaligen Württembergischen Staatspräsidenten Eugen Bolz finden sie hier.

Eugen Bolz (1881 - 1945)

Eugen Bolz

Eugen Bolz wurde am 15.12.1881 in Rottenburg/ Neckar als 12. Kind einer katholischen Kaufmannsfamilie geboren. Nach dem Besuch der Rottenburger Lateinschule und des Karls-Gymnasiums in Stuttgart studierte Eugen Bolz Jura (Rechtswissenschaften) in Tübingen, Bonn und Berlin. Anschließend trat er in den württembergischen Justizdienst ein und arbeitete u.a. bei der Staatsanwaltschaft in Stuttgart.  
Doch schon bald begann sein politisches Engagement: Bolz bewarb sich als Kandidat der katholischen Zentrumspartei  für die Reichstagswahl im Wahlkreis Ellwangen-Aalen-Neresheim-Gaildorf. Bei der Reichstagswahl 1912 gewann er dieses Mandat klar. Im Herbst 1912 bewarb  er sich außerdem für das Landtagsmandat seines Heimatwahlkreises und zog in den Württembergischen Landtag ein.

Weimarer Republik (1919 - 1933)

Mit dem Ende des I. Weltkrieges endete in Deutschland die Monarchie und auch in den einzelnen Bundesländern hielt die Demokratie Einzug. Bolz gehörte neben dem Reichstag in Berlin auch dem württembergischen Landtag in Stuttgart an. Aufgrund seiner christlichen Gesinnung vertrat er die konservative Partei des Zentrums und wurde bereits 1919 vom damaligen württembergischen Staatspräsidenten Willhelm Blos (SPD) zum Justizminister berufen.
Im krisengeschüttelten Inflationsjahr 1923 wurde er Innenminister und 1924 zusätzlich Finanzminister, ehe er 1928 - auf dem Höhepunkt der Weltwirtschaftskrise - das Amt des Staatspräsidenten und damit die Leitung der württembergischen Landesregierung übernahm.
In der Landtagswahl vom April 1932 wurde die NSDAP die stärkste Kraft im Stuttgarter Landtag. Da der NSDAP-Kandidat die Wahl zum Staatspräsidenten nicht klar für sich entscheiden konnte, blieb Eugen Bolz geschäftsführend im Amt.

Drittes Reich (1933 - 1945)

Am 15. März 1933 wurde Staatspräsident Bolz zum Rücktritt gezwungen, u.a. deswegen, weil er sich geweigert hatte, den Stuttgarter Schlosshof für eine Wahlkundgebung der NSDAP zur Verfügung zu stellen. Dass jetzt ein neuer Geist einzog, zeigt das Zitat des neuen Staatspräsidenten Murr von der NSDAP (März 1933):  “Wir sagen nicht Aug um Auge, (…), nein, wer uns ein Auge einschlägt, dem werden wir den Kopf abschlagen (…)“.
Im Juni 1933 wurde Bolz   wegen einer Rede, die er anlässlich eines christlich-sozialen Parteitages als Vertreter des Zentrums gehalten hatte, in die Stuttgarter Gestapo-Zentrale vorgeladen. Während der Befragung wurde von der NSDAP ein Volksauflauf organisiert. Die Menge forderte lautstark die Verhaftung: „Nieder mit Bolz!“ und „Heraus mit dem Landesverräter!“
Bolz wurde für drei Wochen in „Schutzhaft“ auf dem Hohen Asperg genommen. Nach der Entlassung
musste er sich aus der aktiven politischen Tätigkeit heraushalten und hatte zum Lebensunterhalt seiner Familie nur eine geringe Pension als Amtsrichter zur Verfügung. Selbst ein Weiterstudium  an der Uni Stuttgart wurde ihm verweigert.   Ab 1935 engagierte er sich in einem Wirtschaftsunternehmen. Widerstand und Verurteilung
Bereits 1939 wurde er in einer NSDAP-Liste zur „Erfassung führender Männer der Systemzeit“ erfasst und damit als staatsfeindlich eingestufter Politiker der Weimarer Republik gebrandmarkt. Trotz des Verbotes einer politischen Betätigung traf sich Bolz zwischen 1940 und 1944 zweimal pro Woche mit ehemaligen Zentrumsmitgliedern.   Ab 1941 kam es zu regelmäßigen Treffen mit Carl Goerdeler, dem ehemaligen Oberbürgermeister   von Leipzig, einem maßgeblichen Gegner des NS-Regimes. Dieser unterrichtete Bolz auch über den militärischen Widerstand. In diesem Kreis wurden Pläne entwickelt, wie es mit Deutschland nach der Beseitigung der NS-Diktatur weitergehen solle. Im künftigen Regierungskabinett sollte Eugen Bolz   das Amt des Reichskulturministers übernehmen.
Obwohl es von Bolz keine schriftliche Zusage zur Amtsübernahme gab und er nicht in die Einzelheiten der   Attentatspläne von  Claus Schenk Graf von Stauffenberg eingeweiht war, wurde er dennoch - nach dem Scheitern des Attentats vom  20. Juli 1944 - durch die Gestapo am 12. August 1944 in Stuttgart verhaftet. Eugen Bolz   wurde zum Verhör und zur Folter   in die Gestapozentrale in der Prinz-Albrecht-Straße in Berlin überstellt und anschließend in das KZ Ravensbrück eingeliefert.
Am 21. Dezember 1944 wurde er vor den berüchtigten Volksgerichtshof in Berlin gestellt und wegen „Hoch- und Landesverrats“ zum Tode verurteilt.  Am gleichen Tag schrieb er an seine Frau und Tochter Mechthild einen Abschiedsbrief, in dem es u.a. heißt:  „(…) Ich muß von Euch und vom Leben Abschied  nehmen. Euch zu verlassen ist mir schwer. Ich bitte Euch, nehmt es hin als das mir von Gott bestimmte Kreuz. Ich habe wenigstens die Gnade, vorbereitet zu sterben und vielleicht einer bösen Zeit zu entgehen .(…)“
Am 23. Januar 1945 wurde er in Berlin-Plötzensee durch das Fallbeil hingerichtet, seine Familie wurde erst Tage später davon unterrichtet. Die Veröffentlichung einer Todesanzeige und die Übergabe der sterblichen Überreste wurden nicht gestattet.

Eugen Bolz - ein Vorbild

Der erste Schulleiter der EBR, Wilfried Neukirch, formulierte den  Erziehungsauftrag unserer Schule so: „Dass unsere Schule seit dem Jahr 1967 auf Vorschlag  und Wunsch der Lehrer den Namen ‚Eugen-Bolz-Realschule trägt‘, ist nicht ein unverbindliches Programm, es ist Verpflichtung. Eugen Bolz ist in seinen Schriften und in seiner Haltung als Mensch und als christlicher Politiker der Idee eines demokratischen Staates treu geblieben, er lehnte die Diktatur kompromisslos ab und wurde für seinen Willen, am Wiederaufbau eines neuen Deutschland mitzuarbeiten, hingerichtet. Das macht ihn uns zum Vorbild.“
In dieser Verpflichtung stehen wir immer noch!

Gedenkstelle

Gedenkstele in der Aula der EBR

An der Gedenkstele in unserer Aula ist ein Zitat von Eugen Bolz zu lesen: „Mein Leben ist nichts, wenn es um Deutschland geht.“   Das war seine Antwort, als er von einer  befreundeten Politikerin darauf hingewiesen wurde, dass er  durch die Kontakte zu  Widerstandsgruppen sein Leben aufs Spiel setze.

Eugen Bolz setzte sich für den Aufbau eines demokratischen, gerechten Staates ein, in dem die Rechte und die Würde des einzelnen Menschen geachtet werden.  Er zeigte selbstlos Zivilcourage und bezahlte dafür mit seinem Leben.
Dies bedeutet für uns,   im Schulalltag Zivilcourage zu zeigen, Mut zu haben, sich auch in unserer Schulgemeinschaft gegen Unrecht und Unterdrückung zur Wehr zu setzen  und für Schwächere einzutreten.

Barbara Drasch